Sicherheitsrisiko Spielzeug?

In den vergangenen Wochen hatten wiederholt Funde unzulässiger und gesundheitsschädlicher Substanzen in Spielzeugen und Kinderartikeln für Verunsicherung auf dem Spielwarenmarkt gesorgt. Strikte Durchführung der Kontrollen und Einhaltung der Normen ist geboten.

Derzeit stammen rund 60 Prozent der nach Deutschland eingeführten Spielzeuge aus China. Die chinesische Spielzeugbranche boomt. Rund 10 000 Fabriken produzieren Spielzeug in China, während die deutsche Inlandsproduktion dagegen seit Jahren stagniert. Derzeit werden rund 75 Prozent des Spielzeugs deutscher Hersteller in China gefertigt.

Durch die Enge des Marktes herrscht ein extremer Preisdruck, der an die Unterhändler weitergegeben wird. Seit 2006 haben die Mängel besonders bei Spielzeug, das aus China importiert wird, stark zugenommen. Neben Toys ´R´ Us ist nun auch Mattel, der zweitgrößte Spielzeughersteller, betroffen. In einer breit angelegten Rückrufaktion musste der Konzern abermals allein in Deutschland über 38 000 mangelhaftes Spielzeug zurückrufen.

Die Risiken der mangelhaften Ware liegen in erster Linie in der Erstickungsgefahr verschluckbarer Kleinteile oder werden wie im aktuellen Fall von Mattel durch Bleifarbe hervorgerufen. Blei kann insbesondere schädigend auf die Blutbildung und das Nervensystem wirken, sowie die Nierenfunktion einschränken. Bei Kindern kann es zudem zu psychomotorischen Störungen und einer verminderten Gedächtnisleistung kommen.

Generell gilt deshalb, dass bestimmte toxische Elemente wie Blei sich nur in sehr geringen Mengen aus Spielzeug herauslösen dürfen. In Deutschland wird dies in der Verordnung über die Sicherheit von Spielzeug im Rahmen des Geräte- und Produktionssicherheitsgesetzes (GPSG) gewährleistet. Darunter fallen alle Erzeugnisse, die zum Spielen für Kinder im Alter von bis zu 14 Jahren bestimmt sind. Phthalathaltige Kunststoffe in Spielzeug für Kinder unter drei Jahren, was in den Mund genommen wird, ist dagegen in Deutschland grundsätzlich verboten. Die deutschen Bestimmungen sind somit strenger als die einschlägige EU-Richtlinie 88/378/EWG, die das Phthalatverbot nicht auf alle Kunststoffe, sondern lediglich auf Weich-PVC bezieht.

Verbrauchern wird geraten, zunächst an Spielzeug zu riechen oder auf unlackiertes Holzspielzeug zurückzugreifen. Plüschtiere sollte vor der Benutzung gewaschen werden. Bei gebrauchtem Spielzeug sei das Risiko einer Gesundheitsgefährdung geringer, da schädliche Stoffe in der Regel nach einiger Zeit verdunsten. Eine gute Orientierung bieten unabhängige Prüfmethoden und Zeichen.

Verbraucherschützer fordern hier eine einheitliche Regelung auf hohem Niveau. Das europäische CE-Zeichen wurde für alle Spielzeuge innerhalb der EU 1993 verpflichtend eingeführt. Es zeigt an, dass die Sicherheitsanforderungen erfüllt sind und keine verbotenen Chemikalien verwendet sind. Es ist jedoch kein Qualitätszeichen, da Hersteller es sich selbst verleihen. Das deutschsche GS-Siegel dagegen steht für geprüfte Sicherheit. Seit 1977 kann der Hersteller die unabhängige Kontrolle seiner Produkte beim TÜV beantragen.

Mattel hat zusätzlich mit der Einführung eines eigenen dreistufigen Prüfsystems reagiert. Zudem fordert der Bundesverband der Verbraucherzentralen die sofortige Erhöhung der Kontrolldichte und mittelfristige Reorganisation der Zuständigkeiten auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene.

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