Einheitliche und einfache Nährwertkennzeichnung für alle Lebensmittel

Eine einheitliche, leicht verständliche und schnell erkennbare Nährwertkennzeichnung auf den Lebensmitteln ist eine wichtige Hilfestellung für eine gesündere Ernährung. Die bisher dazu in Deutschland vorgeschlagenen Konzepte reichen dafür aber nicht aus.

Wir begrüßen, dass mit der Vorstellung der Eckpunkte des BMELV für Nährwertinformationen nun endlich Bewegung in die Diskussion kommt. Es besteht dringender Handlungsbedarf: Derzeit entwickeln verschiedene Konzerne unterschiedliche Nährwertkennzeichnungsmodelle und bringen diese mit ihren Produkten auf den Markt. Die Folge ist ein für Verbraucher völlig unübersichtlicher Wirrwarr verschiedenster Kennzeichnungen. Dass diese auch noch auf unterschiedlichen Berechnungen des Tagesbedarfs basieren, macht das Chaos komplett und führt eher zur Verschleierung der Probleme als zu ihrer Lösung beizutragen. Anerkannte wissenschaftliche Nährwertempfehlungen müssen als Grundlage dienen und nicht die für die Produkte vorteilhafteste Berechnung. So sollten z.B. bei Zucker statt des vom europäischen Lebensmittelverband CIAA unterstellten maximalen Bedarfs von 90 Gramm die deutlich niedrigeren Werte der Weltgesundheitsbehörde WHO oder der Deutschen Gesellschaft für Ernährung DGE von 50 bis 60 Gramm pro Tag zugrunde gelegt werden. Leider lassen die Eckpunkte des Ministeriums noch nicht erkennen, wie die Kennzeichnung vereinheitlicht, vereinfacht und damit wirklich nutzbar für die Verbraucher gestaltet werden kann. Wenn die „Leitlinien“ nicht eingehalten werden müssen, nutzen sie dem Verbraucher nichts. Angaben, die auf nicht definierte Portionsgrößen bezogen sind, werden die Verbraucher vollends verwirren. Sie sind ohne Taschenrechner nicht vergleichbar, Hersteller können die Angaben durch die Wahl der Portionsgröße selbst gestalten, die Orientierung geht für den Verbraucher verloren. Eine Absichtserklärung, die Portionsgrößen zu vereinheitlichen, reicht nicht aus. Die Bezugsgröße muss von Anfang an einheitlich sein. Wir brauchen eine Nährwertkennzeichnung, die Orientierungshilfe für eine gesündere Ernährung bietet und im Kampf gegen ernährungsbedingte Krankheiten genutzt werden kann. Eine solche Kennzeichnung muss von den Nutzern, d.h. von den Verbraucherinnen und Verbrauchern aus gedacht werden. Deshalb setzen wir uns ein für eine verbindliche, einheitliche und leicht verständliche Nährwertkennzeichnung, die in enger Zusammenarbeit mit den Verbraucherorganisationen entwickelt werden muss. Dabei gelten folgende Ansätze: – Die Nährwertkennzeichnung muss für alle Lebensmittel gelten, d.h. sie muss verpflichtend sein. Die in den Eckpunkten vorgeschlagene Freiwilligkeit der Kennzeichnung bringt für die Verbraucherinnen und Verbraucher keinen Vorteil gegenüber dem Ist-Zustand. – Sie muss leicht erkennbar und verständlich sein: Direkt auf der Vorderseite des Produktes sollte ein für alle Lebensmittel einheitliches einfaches Symbol eine schnelle Orientierung bieten. (Beispiele für solche Symbole gibt es bereits in England oder Skandinavien). Auf der Rückseite sollten als detaillierte Information die nach Einschätzung von Ernährungswissenschaftlern 8 wichtigsten Nährwertangaben erkennbar sein, nämlich Brennwert, Eiweiß, Kohlenhydrate, Zucker, Fett, ungesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe und Natrium. – Die Kennzeichnung muss für alle Lebensmittel einheitlich sein, damit Verbraucherinnen und Verbraucher die Produkte schnell und einfach im Laden vergleichen können. – Sie muss auf anerkannten wissenschaftlichen Nährwertempfehlungen wie denen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung DGE oder der Weltgesundheitsorganisation WHO basieren, nicht aber auf denen des europäischen Lebensmittelherstellerverbands CIAA. In ihrem Ende Mai veröffentlichten „Weißbuch zur Ernährung, Übergewicht und Adipositas“ schlägt die EU-Kommission vor die Kennzeichnung als Instrument zur Bekämpfung von Fettleibigkeit zu nutzen – ggf. auch mit einer gesetzlichen Regelung. Darüber hinaus enthält das Weißbuch noch weitere wichtige Ansätze und empfiehlt, alle Beteiligten in die Verantwortung zu nehmen – auch die Wirtschaft. An sie richten sich wichtige Forderungen wie der Verzicht von auf Kinder ausgerichteter Werbung für Süßigkeiten, einer neuen Zusammensetzung der Produkte und der Verzicht auf Glutamate. Die Bundesregierung wird im Frühjahr 2008 einen Nationalen Aktionsplan vorlegen zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten. Die im Weißbuch dargelegten Vorschläge der EU zeigen in die richtige Richtung, sie müssen dabei berücksichtigt werden.

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