Scoring – Kein unkontrollierter Datenstriptease der Verbraucherinnen und Verbraucher

Wenn Banken, Versicherungen oder Telekommunikationsanbieter über Verträge mit Verbraucherinnen und Verbraucher entscheiden kommt meist das so genannte Scoring ins Spiel. Scoring dient im Wege eines mathematisch-statistisches Verfahren der Einschätzung der Kreditwürdigkeit von Verbraucherinnen und Verbraucher. Das Ergebnis wird in einer Kennzahl, dem Score, ausgedrückt. Aus dieser kann ein Kredit- oder Vertragsrisiko durch die Vertragsmitarbeiter leichter eingeschätzt werden.

In einer dieser Woche vorgestellten Studie unterfüttert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) die aktuelle Debatte um das Scoring. Nach Erkenntnissen der vzbv-Studie herrschen nicht nur bei der Kreditvergabe, sondern auch bei anderen Vertragsabschlüssen zu häufig Willkür und Intransparenz, da die durch Score-Verfahren gescannten Verbraucherinnen und Verbraucher meist gar nicht wüssten, dass sie durch Auskunfteien bewertet würden oder warum z. B. bestimmte – zumeist höhere – Zinssätze bei konkreter Kreditnachfrage gefordert werden, obgleich die Werbung sehr viel geringere Kreditzinsen suggeriert und bewirbt. Das Bundesinnenministerium hat bereits einen ersten Referentenentwurf zur Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes in Bezug auf Scoring-Verfahren einer Verbändeanhörung unterzogen. In Kürze wird die überarbeitete Version vorliegen und als Gesetzesänderungsvorschlag dem Parlament weitergeleitet. Die vom vzbv vorgestellte Studie sowie der Forderungskatalog bieten eine sehr gute Grundlage den Gesetzentwurf im Sinne der Verbraucherinnen und Verbraucher zu überprüfen. Scoring ist ein durchaus legitimes Verfahren der Wirtschaft die Bonität von Vetrags- und Kreditkunden zu überprüfen. Es kann sogar von Vorteil für Verbraucherinnen und Verbraucher sein, weil es ermöglicht, die Kreditvergabe besser zu steuern und eine mögliche Überschuldung von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu verhindern, weil eine Vielzahl von Kredit- oder andere Dauerschuldverhältnisse eingegangen werden. Wenn sich die Anbieter dieser Methode bedienen, so dürfen die Verbraucherinnen und Verbraucher jedoch nicht Objekt eines für sie undurchsichtigen Verfahrens werden, sich dem Scoring bei unzähligen Verträgen ausgesetzt sehen und womöglich diskriminiert werden. Dies bedeutet, dass • das Verfahren des Scoring offen gelegt werden muss, • jeder in die Lage versetzt werden muss seinen Score-Wert zu erfahren, • Maßnahmen entwickelt und kommuniziert werden müssen, wie Verbraucherinnen und Verbraucher ihren Score-Wert verbessern können, • es das Recht der zweiten Chance, also der Rehabilitierung bei – finanzieller – Verfehlung geben muss, • für das Scoriing keine diskriminierenden Merkmale verwendet werden dürfen. Es ist für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht hinnehmbar, wenn ein Datenstriptease verlangt wird, der sie finanziell durchsichtig werden läßt, sie aber andererseits mit einem intransparenten Verfahren konfrontiert sind. Das veränderte Datenschutzgesetz wird sich an diesen Kriterien messen müssen.

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