Computermesse CeBIT – IT-Forschung als Wachstumsimpuls für Deutschland

Mit dem Thema „Computermesse CeBIT – IT-Forschung als Wachstumsimpuls für Deutschland“ beschäftigten sich die Abgeordneten in einer Aktuellen Stunde, die von den Fraktionen von CDU/CSU und SPD beantragt worden war. Die CeBIT, die vom 4. bis 9. März 2008 in Hannover stattfindet, ist die weltweite größte und eine der bedeutendsten Messen für Informationstechnik. Experten sehen in der IT-Forschung einen der größten Wachstumsmärkte der Zukunft. Hier der Redebeitrag von Manfred Zöllmer:

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die CeBIT ist nach wie vor so beeindruckend wie die Zahlen, die die Informations- und Kommunikationsbranche seit Jahren produziert. Die Hightechbranche hat im vergangenen Jahr mit 143 Milliarden Euro Umsatz wieder einmal ein beeindruckendes Ergebnis hingelegt. In diesem Jahr soll es sogar noch eine weitere Steigerung geben. Die Branche ist ein äußerst wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Standort Deutschland. Viele Menschen können sich überhaupt nicht vorstellen, dass es ein Leben vor dem Internet und dem Handy gegeben hat.

 

In dieser Woche hat der Chef von Microsoft, Steve Ballmer, gesagt, dass wir wieder vor einer Computerrevolution stehen, die in den kommenden Jahren nicht nur die Softwareindustrie prägen werde. Die inzwischen fünfte Revolution werde die allumfassende Vernetzung sein, da sich jedes Gerät automatisch mit dem Internet werde verbinden können und die Daten noch freier, noch einfacher und zugänglicher abgerufen, gespeichert oder verschoben werden können. Fragen der Kompatibilität würden dann der Vergangenheit angehören.

 

Die technische Revolution, die sich in den vergangenen Jahren aufgetan hat, ist in der Tat sehr beeindruckend. Leider wird manchmal vergessen, dass es nicht nur um Technik an sich geht, sondern auch um deren Anwendung, nicht nur durch Ingenieure und studierte Techniker, sondern auch durch ganz normale Menschen von acht bis über 80 Jahre.

 

Gestatten Sie mir ein paar Anmerkungen aus der Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie sind im Übrigen alles andere als technikfeindlich. Der Tätigkeitsbericht der Bundesnetzagentur für die Jahre 2006 und 2007 weist dies deutlich aus.

 

– Im Jahre 2007 nutzten 39,2 Millionen Menschen regelmäßig das Internet. Damit sind über 60 Prozent der über 14-Jährigen in Deutschland online.

 

– Mitte 2007 wurde im Bereich der Mobiltelefondienste die Penetrationsrate von 110 Prozent bereits überschritten.

 

– Im Jahre 2007 wurden 16 Milliarden Gesprächsminuten über Internettelefonie abgerechnet, 2006 waren es nur 9 Milliarden. Das ist eine Steigerung von über 75 Prozent.

 

Diese umfangreiche und breite Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologie birgt natürlich auch Probleme, denen sich die Politik, aber in besonderem Maße auch die Branche selbst stellen müssen. Damit werden Herausforderungen für Unternehmen und Politik definiert und Ziele für Forschung und Entwicklung vorgegeben.

 

Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher nutzen das Internet als Handels- und Shoppingplattform weltweit. Hier stellen sich natürlich Fragen hinsichtlich der Gültigkeit von Rechtsvorschriften, hinsichtlich des Vertragsrechts und hinsichtlich der Haftung. Über unser nationales Recht hinaus muss es europaweite und mittelfristig auch internationale Vereinbarungen geben.

 

Wir sind damit konfrontiert, dass mehr und mehr Verbraucher im Internet in Abonnementverträge gelockt werden. Wir sind mit Identitätsdiebstahl, mit Knebelverträgen, mit Warteschleifen bei Hotlines, mit belästigenden Werbeanrufen, Phishing, Pharming, Trojanern und Viren konfrontiert. All diese Erscheinungen trüben massiv die Freude an der Nutzung dieser Technologien. Es muss deshalb zukünftig erhebliche zusätzliche Anstrengungen geben, um die Sicherheit im IT-Bereich deutlich zu erhöhen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

 

Die Bundesregierung macht hier etwas. Hier sind in besonderem Maße auch die Unternehmen gefordert.

 

Die IT-Produkte müssen endlich nutzerfreundlicher werden. Viele Produkte werden mit Gebrauchsanleitungen ausgeliefert, deren Lektüre Tage erfordert, die häufig ohne ein ingenieurwissenschaftliches Studium nicht zu verstehen sind, die Antworten auf Fragen geben, die keiner gestellt hat,

 

(Heiterkeit des Abg. Jörg Tauss (SPD))

 

und einfache wichtige Hinweise zur Bedienung verschweigen. Forschung und Entwicklung dürfen nicht allein den Ingenieuren überlassen werden, die miteinander wetteifern, wie viele unterschiedliche Funktionen in einem Gerät untergebracht werden können, Funktionen, die überwiegend niemand braucht, die niemand nutzt, die aber mitbezahlt werden müssen.

 

Die Bedürfnisse der Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sehr viel stärker in Forschung und Entwicklung einfließen. In ihrer aktuellen Ausgabe testet die Stiftung Warentest erstmals Seniorenhandys. Wie lange hat es gedauert, bis hier einem Markt, der durch die demografische Entwicklung längst entstanden war, Rechnung getragen wurde? Im Jahre 2050 wird es statt 4 Millionen 10 Millionen Menschen geben, die über 80 Jahre alt sind. Es darf keine digitale Spaltung der Gesellschaft geben. Technik darf kein Selbstzweck sein. Sie muss das Leben der Menschen erleichtern, Teilhabe ermöglichen und nicht Ausgrenzung produzieren.

 

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

 

Informations- und Kommunikationstechnologie soll Innovation, Fortschritt, neue Arbeitsplätze, Umsatz, Erleichterungen im Alltag und einfach auch Spiel und Spaß bringen. Das gelingt dann, wenn bei Forschung und Entwicklung diejenigen nicht vergessen werden, die die Produkte kaufen und nutzen sollen. In diesem Sinne wünsche ich der CeBIT weiterhin einen großen Erfolg. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)

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