Missbrauch durch private Handy-Ortung stoppen!

In der vergangenen Zeit werden in den Medien Serviceangebote zur Ortung von Handys intensiv beworben. Inhalt der angepriesenen Dienstleistungen ist die prompte Lokalisierung einer gewünschten Zielperson über ihr Mobiltelefon. In diesem Kontext ergeben sich erhebliche Missbrauchspotenziale.

Aus technischer Sicht ist die Ortung eines Handys möglich, da der aktuelle Standort der Mobilfunknutzer den Netzbetreibern notwendigerweise stets bekannt ist. Zur Zustellung der Kommunikationsdaten ist es erforderlich, zu wissen, in welcher Zelle des Funknetzes sich der Nutzer befindet. In städtischen Gebieten lässt dies aufgrund der Enge der Funkzellen eine Ortung mit der geringen Abweichung von 100 Metern zu.

In der Regel werden die Ortungsdienste nicht von den Netzbetreibern selbst angeboten, sondern von dritten Serviceanbietern. Für diese Dienste gibt es viele sehr nützliche Anwendungsbereiche, wie etwa die Ortung einer in Not geratenen Person oder die Koordinierung von Außendienstmitarbeitern.

Problematisch erweisen sich die Ortungsdienste jedoch, wenn sie missbräuchlich verwendet werden, wenn sie zum Beispiel benutzt werden, um dem eifersüchtig in Verdacht genommenen Ehepartner nachzuspionieren oder Arbeitnehmer insgeheim zu bespitzeln.

Das Telekommunikationsgesetz schreibt in Paragraf 98 für die Verwendung der Handystandortdaten für sogenannte Zusatzdienste die Einwilligung des Teilnehmers vor. Es bieten sich jedoch zwei Wege des Missbrauchs: Zum einen kann die Einwilligung, die in der Regel durch SMS abgefragt wird, durch einen nichtberechtigten Dritten erschlichen werden. Zum anderen kann einem Dritten, beispielsweise dem Arbeitnehmer, ein Handy zur Verfügung gestellt werden, auf dem bereits eine Ortungsfunktion aktiviert ist, und der verschweigt dies. Das besondere Problem besteht in der Heimlichkeit, mit der die Dienste mancher Anbieter zu abonnieren sind. Eine Ortung bleibt dann von den Opfern des Spionageangriffs völlig unbemerkt.

Aufgrund der niedrigen Kosten und einfachen Bedienbarkeit eignen sich die Ortungsdienste als frei zugängliches Mittel der privaten Nachstellung. Dem privaten Nutzer stehen auf widersinnige Weise Mittel zur Hand, für die selbst polizeiliche Ermittler stets einen richterlichen Beschluss benötigen würden.

Dem Missbrauch muss ein Riegel vorgeschoben werden. Versuche, über eine Selbstverpflichtung der Anbieter zu einer zufriedenstellenden Lösung zu kommen, müssen trotz der redlichen Bemühungen mancher Wettbewerber bisher als gescheitert betrachtet werden.

Die Dienstanbieter sollten daher gesetzlich verpflichtet werden, die Teilnehmer in kleinen Intervallen über die Tatsache, dass eine Ortung des betreffenden Handys stattfindet, zu unterrichten. Durch diese simple Regelung wäre ein ausreichender Schutz durch Transparenz hergestellt, der es erlaubt, in Zukunft die positiven Aspekte der Ortungsdienste nutzen zu können, ohne in ihrer Nähe stets die Spionage und Nachstellung wittern zu müssen.

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