Wo sich Ost und West annähern: Ein Jordanier im Deutschen Bundestag

Ein Bericht der IP-Stipendiat Ghadi Lutfi – Der ehemalige amerikanische Präsident Ronald Reagan rief in 1987 in West-Berlin vor dem Brandenburger Tor: „Mr. Gorbatschow, öffnen sie dieses Tor!“ und „reißen Sie diese Mauer nieder“. Seine Worte haben sich in das Gedächtnis vieler Deutschen und Berliner bis hin zur Gegenwart eingegraben. Zwei Jahre nach dem Besuch, gewann die Sehnsucht nach Vereinigung in Deutschland erheblich und stark an Gewicht, sodass die Mauer zwischen Ost und West fiel.

IP-Stipendiat Ghadi Lutfi und MdB Manfred Zöllmer

Berlin ist nach dem Mauerfall in 1989 eine veränderte Stadt. Sie ist eine Stadt, die Hindernisse und Grenzen zwischen Menschen abreißt und stattdessen gerne Brücken baut. Zu dieser weltoffenen Einstellung zählt auch der Deutsche Bundestag, der jährlich etwa 120 junge Stipendiaten aus 40 Nationen der Welt einlädt, um die demokratischen Werte international zu festigen und das friedliche Zusammenleben in der Welt zu sichern. Vom 1. März bis zum 31. Juli 2017 hatte ich die einzigartige und ansehnliche Gelegenheit bekommen, ein Stipendiat des Internationalen Parlaments-Stipendiums zu sein und ein Praktikum im Deutschen Bundestag bei Herrn Manfred Zöllmer (MdB, SPD) zu absolvieren.

Kurz zu meiner Person: Ich bin in der jordanischen Hauptstadt Amman geboren und aufgewachsen, wo ich auch mein internationales Abitur abgeschlossen habe. Nach dem Schulabschluss, entschied ich mich dazu für den Studiengang des Management Sciences an der Deutsch-Jordanischen Hochschule einzuschreiben, und seitdem begann meine Beziehung zu Deutschland, Deutscher Kultur, Sprache und Politik.

Als ich vom IP-Stipendium erfuhr, fühlte ich mich sofort angesprochen, weil es genau meinen Interessen entsprach. In Jordanien war ich von der demokratischen Entwicklung in Deutschland sehr fasziniert und begeistert. Als ich herausfand, dass ich den Parlamentarismus im „Herzen der Demokratie“ Deutschlands miterleben und hautnah verfolgen könnte, war ich äußerst euphorisch.
Besonders positiv fand ich auch meine Zuordnung im Büro vom Herrn Manfred Zöllmer (MdB, SPD), den ich vor dem Praktikum in Jordanien persönlich kennengelernt hatte. Die Arbeit in dem Büro ist von großer Relevanz für mich und mein Studium, denn Herr Zöllmer ist hauptsächlich im Finanzausschuss tätig. Während meiner Arbeit besuchte ich die verschiedenen Anhörengen und Sitzungen des Finanzausschusses und habe abwechslungsreiche inhaltliche Ausarbeitungen zu verschiedenen Themen, wie den Brexit und die IDD-Umsetzung (Versicherungsvertriebsrichtlinie) oder die Projekte der Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank, im Büro bearbeitet. Außerdem habe ich sowohl Bürger aus Wuppertal als auch internationale Besucher im Bundestag begleitet.

Zum IPS Programm gehörte auch eine Reise in das Wuppertaler Büro vom Herrn Manfred Zöllmer. Anfang Juni 2017 habe ich die Wahlkreisreise unternommen, es ging hauptsächlich darum, die Stadt Wuppertal näher kennenlernen zu können und einen kleinen Einblick in die Arbeit des Wuppertaler Büros zu gewinnen.

Kultureller Austausch zwischen dem Nahost und Europa
Wir leben leider in einer Zeit, wo häufig vom Kampf der Kulturen in den Medien oder unter Politikern und normalen Bürgern die Rede ist. Der Hintergrund dieses wahrgenommenen Konflikts, beruht auf religiösen und kulturellen Unterschieden zwischen dem sogenannten arabisch-sprachigen Raum und der west-europäischen Kulturkreis.

Die Beschreibung von „Osten“ und „Westen“ als gegenteilige Identitäten, lässt die Heterogenität und bunte Mischung und Facetten beider Welten ignorieren und schafft eine klare und konstruierte Trennungslinie zwischen den Völkern beider Kulturkreisen, die aber auf bestimmte Ebenen viele Gemeinsamkeiten teilen könnten.

Deswegen bemühte ich mich während dieser fünf Monaten, den Dialog über die Region und mein Herkunftsland Jordanien zu fördern, in der Hoffnung, dass ich im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten und Versuche, ein Schritt in Richtung Verständnis und Toleranz im IPS Programm beigetragen habe.

Und deswegen empfand ich das IP-Stipendium mehr als nur ein Praktikum bei den Abgeordneten, sondern eine Tribüne für das Zusammenkommen von „Botschaftern der Welt“, um Geschichten, Ideen, und Meinungen respektvoll miteinander austauschen zu können, weg von der Weltkonflikten, die den Frieden verseuchen. Zusammengefasst, das IPS ist eine kleine Oase, wo sich Ost und West annähern.
Ein großes Dankeschön!

An dieser Stelle möchte ich mich gerne bei meinen Kolleginnen und Kollegen im Berliner Büro bedanken. Herr Markus Caspers und Frau Susanne Schmucker haben immer dafür gesorgt, dass eine freundliche und entspannte Atmosphäre in dem Büro herrscht. Sie hatten auch dauernd ein offenes Ohr für meine Wünsche und Probleme gehabt. Ich bedanke mich auch beim Herrn Markus Stratmann, denn er hat sich viel Zeit genommen, mir die Stadt Wuppertal zu zeigen.

Letztens ein großer Dank geht an unseren Chef Herrn Zöllmer.

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