Praktikumsbericht Hanne Schacht

Ich habe vom 13.Januar – 24.Januar 2014 ein zweiwöchiges Betriebspraktikum im Büro des SPD Bundestagsabgeordneten Manfred Zöllmer gemacht.  Hanne Schacht

Schon im Herbst 2012 habe ich mir Gedanken  über mein Betriebspraktikum gemacht und mich nach Absprache mit Herrn Mentzel um einen Praktikumsplatz bei einem Bundestagsabgeordneten bemüht. Ich habe begonnen Bewerbungen zu schreiben und an  verschiedenen Wahlveranstaltungen der einzelnen Parteien in Wuppertal teilzunehmen. Mein eigentlicher Wunsch war es, bei einem/einer Grünen Bundestagsabgeordnetem/-en mein Praktikum zu machen. Doch durch die Absage von Frau Hasselmann und die Wahlniederlage von Herrn Ott habe ich mich neu orientiert und mit Herrn Zöllmer, von der SPD, Kontakt aufgenommen. Ich habe eine Zusage bekommen und mich schon im Vorhinein mit Herrn Zöllmer, sowie mit Frau Schmucker und Herrn Caspers Kontakt aufgenommen. Dies erleichterte mir meinen Einstieg deutlich. Vor dem Praktikum habe ich mich schon für Politik interessieret und durch meinen  Diff.-Kurs Geschichte-Politik in der 8. und 9. Klasse einiges an Informationen sammeln können. Ich habe  mich sehr auf mein Praktikum gefreut, erhoffte ich mir doch nähere Einblicke in das Alltagsleben eines Politikers. Schon lange stellte ich mir die Frage „Bundestagsabgeordneter- ein Beruf wie jeder andere“? Auch stellte ich mir die Frage wie man mit einer solchen Last an Verantwortung lebt, wie man seine politischen Interessen in einer Partei, und im Bundestag vertreten kann und wünschte mir Einsicht in die verschiedenen Arbeitsbereiche, der Regierung und des Parlamentes.

Mein Arbeitsplatz und meine Aufgaben:

Gearbeitet habe ich im Büro von Manfred Zöllmer, in der Wilhelmstr.65. Zu seinem eigenen Büro gehört noch das von Frau Schmucker, seiner Sekretärin und das von Herrn Caspers, seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter und Büroleiter. Des Weiteren gibt es ein Büro für Praktikanten oder studentische Hilfskräfte, welches in den 2 Wochen des Praktikums meines war. All diese Büros sind in der vierten Etage, auf der auch noch andere SPD-Bundestagsabgeordnete ihre Büros haben. Für alle zusammen gibt es eine Küche und einen Kopierraum. Auf jeder Etage gibt es zudem mind. 2 Konferenzräume und einen Aufenthaltsbereich für Empfänge. Zu meinen Aufgaben gehörte es z.B. täglich die Post von der Poststelle im Bundestag abzuholen, zu öffnen und zu sortieren. Außerdem führte ich einige Telefonate. In der ersten Woche, der Plenarwoche, begleitete ich hauptsächlich Herrn Zöllmer zu seinen Terminen. Morgens ging ich mit zu Arbeitsgemeinschaften und Plenumssitzungen und schrieb die wichtigsten Punkte mit. Mittags arbeitete ich am Schreibtisch, beantwortete E-Mails und verschickte Briefe mit Autogrammkarten oder Terminbestätigungen. Nachmittags begleitete ich Herrn Zöllmer zu Fraktionssitzungen oder Landesgruppentreffen und abends gingen wir gemeinsam auf Empfänge, wie den der Friedrich-Ebert-Stiftung und den der Deutschen Bank. Dort ging es ums „Sehen und Gesehen werden“. Ich habe mich dort jedoch auch mit interessanten Persönlichkeiten unterhalten und diskutieren können. Dabei erstaunte mich vor allem, dass sich die Meisten, egal ob Politiker oder Lobbyist auch für meine Meinung und meine Argumente zu bestimmten Themen der Politik, aber auch der Gesellschaft interessierten. Diese Freundlichkeit, Offenheit, und echtes Interesse,  an meiner Person, aber auch die Ruhe und Geduld mit der man mir wirklich komplexe Dinge, wie den Deutschen Bankenverband erklärte und seine Vorteile und Nachteile aufzeigte, hat mich erstaunt, fasziniert und irgendwie auch berührt. In der 2. Woche war Herr Zöllmer in Wuppertal und ich nahm, wie schon in der ersten Woche, nun aber vermehrt am Praktikantenprogramm der SPD-Bundestagsfraktion, für welches ich ein Stipendium bekommen hatte, teil. Die meisten anderen Praktikanten waren Studenten. Ich wurde von ihnen aber auch als Schülerin akzeptiert und respektiert. In Gesprächen mit anderen Praktikanten wurde mir schnell bewusst, dass die Sachen, die ich als Praktikantin bereits in der ersten Woche miterleben durfte, nicht selbstverständlich waren und ich als Schülerpraktikantin mehr miterlebt hatte als andere Studenten, die schon über mehrere Monate dort waren. Ich bin sehr dankbar für das, was mir ermöglicht worden ist. Mit dem Praktikantenprogramm, was vom Büro Frank-Walter Steinmeier aus geführt wurde, besuchte ich unter anderem das Bundeskanzleramt, das Finanzministerium, den Bundesrat, aber auch den Bund der deutschen Steuerzahler und den deutsche Banken Verband, genauso wie das Willy-Brandt-Haus. Des Weiteren hatten wir ein Modul zum Thema Staat und Religion. Hier haben wir uns mit Vertretern des Zentralrats der deutschen Juden, mit Muslimen, einem ev. Pastor und einer kath. Theologin zu diesem Thema unterhalten und diskutiert. Viel zu schnell ging die Zeit vorbei. Die Plenarwoche: In der ersten Woche meines Praktikums war Plenarwoche, das heißt alle Bundestagsabgeordneten kommen nach Berlin um gemeinsam zu arbeiten. Für einen reibungslosen Ablauf braucht die Arbeit der Politiker in jeder Sitzungswoche dieselbe klare Struktur mit festen Terminen. Montags reisen die Abgeordneten aus ihren Wahlkreisen an, z.B. Herr Zöllmer aus Wuppertal, und bereiten sich gemeinsam mit ihren Mitarbeitern auf die jeweilige Parlamentswoche vor. Dabei legen sie die jeweiligen Aktivitäten, wie z.B. Abendtermine fest und setzen die Schwerpunkte. Montagsnachmittags tagen dann noch die Fraktionsvorstände und abends die Landesgruppen.

Am Dienstag kommen die Fraktionen zusammen und diskutieren über anstehende Themen, Gesetzesentwürfe und Entscheidungen. Diese werden von den jeweiligen Arbeitsgruppen, z.B. der AG Finanzen, von der Herr Zöllmer  stellvertretender Sprecher ist, vorbereitet. Hierbei werden auch die Ausschusssitzungen geplant, die in der Regel mittwochs stattfinden. Außerdem beginnt Mittwochsnachmittags die Plenarsitzung mit einer Regierungsbefragung und einer Fragestunde.  Eventuell kann eine Aktuelle Stunde beantragt werden, bei der die Parteien ihre neusten Konzepte vorstellen. Die beständigen Ausschüsse mit ihren Mitgliedern aus allen Fraktionen sind vor Ort, wo die Facharbeit geleistet wird. Hier kann jede Fraktion ihre Ansicht zu Gesetzesvorhaben vertreten. Dabei wird um Kompromisse gerungen und letzten Endes die mehrheitsfähige Lösung zur Abstimmung im Parlament vorbereitet. Darüber diskutiert, debattiert und schließlich abgestimmt wird meist donnerstags und freitags in den öffentlichen Plenarsitzungen. Zwischen Parlament und Wahlkreis: Jeder Abgeordnete hat in der Regel zwei Arbeitsplätze, einen in Berlin und den anderen in seinem Wahlkreis. Bundestagsabgeordnete sind Abgesandte des Volkes. Sie vertreten unsere Interessen und setzten sich dafür mit bestem Wissen und Gewissen ein. Sie sind Abgesandte auf Zeit und müssen sich alle vier Jahre neu dem Wählervotum stellen. Ihren Wahlkreis betreuen sie, egal ob sie als Direktkandidat oder über einen Listenplatz in den Bundestag gekommen sind. Auch für Wuppertal gibt es zwei Bundestagsabgeordnete, Herrn Zöllmer, Direktkandidat der SPD, und Herrn Hinze der für die CDU über einen Listenplatzt in das Parlament gekommen ist. Normalerweise sind sie in allen Nicht-Plenarwochen in ihren Wahlkreisen, stehen den Wählern dort  Rede und Antwort, berichten von ihrer Abgeordnetentätigkeit und nehmen Stellung zu kommunalpolitischen Themen. Auch Herr Zöllmer macht sich in regelmäßigen Abständen ein Bild von den Sorgen und Nöten der Wuppertaler in seiner Sprechstunde. Die Probleme und Interessen der Bürger sind ihm sehr wichtig, gerne bringt er diese Erfahrungen in seiner Arbeit in Berlin mit ein. Auch in Berlin selber kommt der Wahlkreis nie zu kurz. Jede Fraktion hat verschiedene Landesgruppen, die sich trotz engem Terminplanes mehrmals in der Woche treffen und sich über politische Fragen und Belange ihres Bundeslandes oder ihrer Region austauschen. Herr Zöllmer ist Vorsitzender der Landesgruppe NRW.

Des Weiteren  hat jeder Politiker das Recht jährlich eine bestimmte Anzahl an Besuchern aus seinem Wahlkreis nach Berlin einzuladen, damit sie sich ein Bild von der Arbeit ihres Abgeordneten machen können.

Abschließende Wertung:

Mein zweiwöchiges Praktikum war eine sehr eindrucksvolle Erfahrung und intensive Zeit. In diesen zwei Wochen habe ich viel erlebt und gesehen. Ich bin immer noch ganz erschlagen von all den Eindrücken, die ich gewonnen habe. Gerade der offene Umgang der Leute, hat mich sehr beeindruckt und ich glaube ich bin ein ganzes Stück weiter gekommen. Die Fragen, die ich mir vor dem Praktikum stellte, sind mir beantwortet worden. Ich weiß jetzt, dass Bundestagsabgeordneter zu sein kein Beruf wie jeder andere ist. Bundestagsabgeordneter zu sein ist eine Berufung des Volkes. Ich habe miterlebt, wie man mit einer solchen Last an Verantwortung lebt, dass die Fraktion einen stützt, aber ich habe auch erfahren, dass es nicht immer leicht ist, zu seinen eigenen Entscheidungen, gerade in einer Partei, zu stehen. Ich habe verstanden, dass Politiker ihre und die Meinung anderer Leute vertreten, sei es in der Partei, in Ausschüssen, den Landesgruppen, etc..  Ich habe eine Einsicht in die verschiedenen Arbeitsfelder des Bundestages gewonnen, von der Putzfrau bis hin zum Präsidenten des Bundestages, Herrn Lammert. Ich habe Fähigkeiten wie z.B. gutes zuhören oder  Sachen objektiv zu betrachten nutzen können. Für meine Direktheit und meinen Willen Sachen von möglichst vielen, verschiedene Perspektiven aus zu betrachten bin ich mehrfach gelobt worden. Mir ist bewusst geworden, dass man in einem solchen Job erst denkt und dann handelt, bzw. oftmals gar nicht handelt, sondern zu hört und sich seinen Teil denkt. Ich habe gelernt Ruhe zu bewahren und Menschen und ihre Motive zu hinterfragen. Nicht immer gab es einen Einigung und es mussten Kompromisse gefunden werden. Wichtig für die Arbeit eines Politikers ist es aber auch Schein und Sein unterscheiden zu können. Es ist von Vorteil wenn man sich gut Gesichter mit den dazugehörigen Namen merken kann. Durch das gute Verhältnis zu den Mitarbeitern und anderen Praktikanten und die perfekte Unterbringung bei meiner Großcousine, waren auch meine Sorgen, wie ich mich in der Großstadt zurechtfinden würde, unbegründet. Mit meinem Mitschüler Justin Köster, der ein Praktikant der CDU/CSU-Fraktion war, konnte ich mich austauschen und diskutieren. Alles in allem hat mir mein Praktikum sehr gut gefallen, diese Zeit hat mich sicherlich nachhaltig geprägt. Die Politik fasziniert mich jetzt umso mehr. Ich kann mir vorstellen später in diesem breit gefächerten und abwechslungsreichen  Bereich eine Aufgabe für mich zu finden. Ich weiß, dass es eine Zeit vor und nach dem Bundestagsmandat gibt, deshalb werde ich zunächst ein Studium absolvieren.

Tja,wer weiß, vielleicht werde ich dann einmal Bundestagsabgeordnete, Ministerin oder sogar Kanzlerin.