Praktikumsbericht Svenja Gönnemann

(20.05.2015) Svenja Gönnemann, Studentin der Sozialwissenschaften an der Ruhr Universität Bochum, absolvierte bei mir ein vierwöchiges Praktikum in Berlin und Wuppertal.

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Ich studiere Sozialwissenschaft im Bachelor an der Ruhr-Universität Bochum mit Schwerpunkt Politik. Für mein Pflichtpraktikum suchte ich ein Praktikum möglichst im Bereich der Politik, also in der Bundesregierung oder einem Ministerium. Ich bewarb mich initiativ bei dem SPD-Abgeordneten aus meinem Wahlkreis und erhielt zu meiner großen Freude eine Zusage. So konnte ich vom 04.04. bis zum 27.05.2016 für sechs Wochen im Berliner Büro von Manfred Zöllmer, sowie zwei Wochen in seinem Wahlkreisbüro in Wuppertal, mitarbeiten. Ich wollte wissen, wie die Arbeit eines Abgeordneten im Bundestag aussieht und ob das Bild, das einem durch die Medien vermittelt wird, der Realität entspricht.

Während meiner Zeit in Berlin war, zu meinem Glück, insgesamt dreimal Sitzungswoche in denen die Abgeordneten unter anderem zu ihren Ausschusssitzungen und Arbeitsgruppen ihrer Fraktionen gehen. In Manfreds Fall war das der Ausschuss der Finanzen was für mich sehr interessant war, da zum Studium der Sozialwissenschaft zusätzlich Module wie Volkswirtschaftslehre oder Wirtschaftspolitik etc. gehören, welche mir auch sehr geholfen haben die inhaltlichen Diskussionen im Finanzausschuss zu verfolgen und zu verstehen. In dieser Zeit sind die „Panama-Papers“ öffentlich geworden, was natürlich viel Stoff zum Diskutieren bot und für mich interessant war die Sicht der Öffentlichkeit und die des Finanzbereiches der Bundesregierung zeitgleich miteinander zu vergleichen. Als sehr spannend habe ich die politischen Strategien empfunden mit denen die SPD bestimmte Ziele durchsetzen wollte und fand es bemerkenswert wie kollegial die Stimmung im Ausschuss zwischen allen Parteien war. Durch bestimmte Medien erhält man als Außenstehender oft den Eindruck, dass sich die Parteien untereinander sehr stark bekriegen, was aber nicht immer der Fall sein muss. In nicht-öffentlichen Ausschüssen geht es aber natürlich nicht so hitzig wie in den öffentlichen Plenardebatten zu.

Abends durfte ich Manfred gelegentlich zu Frühlingsfesten der BVR oder der SPD-Fraktion beispielsweise begleiten auf denen viele Spitzenpolitiker wie Frank-Walter Steinmeier, der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault oder Thomas Oppermann gesprochen haben. Das war natürlich sehr spannend und außerdem eine gute Gelegenheit mit Manfred ins Gespräch zu kommen, da er den ganzen Tag von Termin zu Termin läuft und verständlicherweise nicht viel Zeit für einen Plausch hat.

Der wissenschaftliche Mitarbeiter von Manfred, Markus Caspers, hat mich in die Büroarbeit eingewiesen und mir erklärt was seine und unsere Aufgaben sind. Jeden Montag haben wir die Woche und die dazugehörigen Aufgaben besprochen. Das Büro habe ich mir zusammen mit einer IPS-Stipendiatin aus Kasachstan geteilt. Wir sind zusammen zu den verschiedenen Sitzungen und zu Terminen gegangen, die Manfred nicht wahrnehmen konnte und haben u.a. Protokolle für ihn geschrieben. Darüber hinaus haben wir an dem Praktikantenprogramm der SPD-Fraktion teilgenommen, dank dem wir z.B. den Bundesnachrichtendienst oder das Ministerium für Finanzen besuchen konnten und viele Gespräche mit Abgeordneten der SPD über ihr jeweiliges Themengebiet führen konnten.

Die Zeit in Berlin und auch in Wuppertal war dank den Mitarbeitern Susanne und den beiden Markussen sehr schön und ich bin sehr dankbar dafür nie die „typischen“ Praktikanten-Aufgaben gemacht haben zu müssen, wie Kaffee zu kochen oder Akten zu kopieren. Keine Frage war zu dumm, um sie zu stellen und alle hatten immer ein offenes Ohr für uns Praktikanten. Außerdem gab es eine richtige „SPD-Praktikanten-Community“ durch das Praktikantenprogramm, wodurch wir immer zusammen zu Mittag gegessen haben, abends etwas trinken gegangen sind und am Wochenende zusammen etwas unternommen haben.

Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass natürlich viele Informationen durch Journalisten verzerrt werden und dass meiner Meinung nach Politiker zu negativ dargestellt werden. Als Abgeordneter hat man in Berlin eine 80-Stunden-Woche mit unglaublich vielen Terminen, komplexen Gesetzesentwürfen, Sachverständigenanhörungen und dazu noch Besuchergruppen. Ich glaube, wenn der „normale Bürger“ wüsste, wie viel ein Abgeordneter zu tun hat, würde sich das Bild über „die da oben“ ändern. Außerdem habe ich auch nicht erlebt, dass ein Banker einen Batzen Geld über den Tisch schiebt, damit Manfred die Interessen seiner Bank durchsetzt.

Ich bin überzeugt ein besseres Praktikum hätte ich nicht finden können und habe ein unglaubliches nettes Büro mit einem sehr kompetenten Abgeordneten gefunden. Ich habe viele neue, auch internationale, Freunde gefunden und meine Sicht auf den Bundestag hat sich grundlegend verändert.