Chrisitan Wulff in der Bundesversammlung gewählt – ein persönlicher Bericht

Christian Wulff ist neuer Bundespräsident. Nicht zur Freude der SPD-Fraktion. Wir hätten lieber unseren Kandidaten Joachim Gauck im höchsten Amt des Staates gehabt. Die Wahl selbst war spannend, zeigte nach dem ersten Wahlgang, dass es nicht so leicht werden würde, wie manch einer gedacht hat. Unserer Praktikantin Julia Perkowski durfte Manfred Zöllmer zur Bundespräsidentenwahl am 30. Juni 2010 als Gast begleiten. Hier ihr persönlicher Bericht:

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Schon die Einladung die etwa eine Woche vor der Wahl in der Post lag hat große Erwartungen geschürt. Mein Name mit Füllfederhalter auf der Einladung mit dem Bundesadler und jeder Menge Hinweisen, wie der wichtige Tag von statten gehen soll. Am Haupteingang gibt es dann den gelben Ausweis, der mir den Zutritt in den Reichstag erlaubt. Schon auf der Plenarsaalebene werde ich fast von den Eindrücken erschlagen. Die ganzen Kamerateams sind nicht wie sonst nur zu dritt oder viert  unterwegs. Die Sender haben sich kleine Studios in den Gang gebaut. Überall Scheinwerfer, Mikrofone und eine unglaubliche Lautstärke. „Da schau mal, das ist doch dieser Schauspieler,“ „und da ist der Gysi,“ tönt es von anderen Gästen durch das Stimmengewirr.

Dann geht es auch schon weiter auf die Fraktionsebene. Hier sind wir ein wenig enttäuscht. Keine großen Leinwände, auf denen man stetig das Geschehen im Plenarsaal verfolgen kann. Nur in den einzelnen Räumen der Fraktionen sind die Bildschirme eingeschaltet und die Räume rasend schnell gefüllt. Als der Gong ertönt ist es schlagartig ruhig. Alle lauschen auf die kurze Rede und die Begrüßung durch den Bundestagspräsidenten Lammert. Lange hält es uns nicht auf den Plätzen. Als die Namen für die Wahl vorgelesen werden machen wir uns auf den Weg auf die Terasse. Hier trudeln nach und nach auch die ersten Wahlmänner und -frauen auf. Man kommt ins Gespräch und die Runde wird immer größer. Irgendwann sitzt Hannelore Kraft neben mir, lächelt mich an – alles ganz selbstverständlich. Hier ist es nichts außergewöhnliches  neben den Großen der Politik zu stehen.

Die eineinhalb Stunden bis alle Namen vorgetragen und alle Wähler gewählt haben vergehen wie im Flug. Kurz vor Ende der Auszählung wird es hektisch. Journalisten bereiten sich auf Liveschalten vor, ändern nochmal Haare oder Make-up, versuchen noch von dem ein oder anderen Mitglied der Bundesversammlung ein kurzes Statement zu bekommen. Ich suche mir schnell wieder meinen Platz vor dem Fernseher. Als Norbert Lammert das Ergebnis vorträgt gibt es einen langen Applaus im Saal. Mit so einer klaren Schelte für Frau Merkel und die CDU hat niemand gerechnet. Die Besucher sind stolz darauf, dass Joachim Gauck Christian Wulff die Stirn bieten kann. Mit einem kleinen Lächeln warten sie gespannt auf den zweiten Wahlgang. Inzwischen sammeln sich die Politiker in den Fraktionssälen ein. Man muss beraten wie man jetzt weiter vorgeht.

Auch sie lächeln, freuen sich sichtlich über die 499 Stimmen für Joachim Gauck. Die Zeit bis zur zweiten Auszählung will nicht so recht vorangehen. Das Ergebnis scheint ewig auf sich warten zu lassen. Nach den Ergebnissen lassen die Reaktionen nicht lange auf sich warten und auch die Journalisten stürzen sich regelrecht auf die Mitglieder der Bundesversammlung, wollen Einschätzungen und Interna zu den Verhandlungen wissen.

Die Pause bis zum dritten Wahlgang ist lang. Die Verhandlungen in den Parteien zu den Kandidaten dauert länger als geplant. Die Linken ziehen ihre Kandidatin zurück, debattieren und diskutieren, ob Gauck für sie wählbar ist. Am Ende verkündet Gregor Gysi, nur einen Meter von mir entfernt, dass sich die Linken enthalten wollen. Die Journalisten rasen wieder zu ihren Monitoren und bereiten die nächsten Liveschaltungen vor.

Der letzte Wahlgang beginnt erst nach 19 Uhr. Die Mitglieder der Bundesversammlung sehen müde und mitgenommen aus, klatschen Beifall, als Bundestagspräsident Lammert das Buffet für eröffnet erklärt. Einige finden den Weg zu den lang ersehnten Speisen und Getränken noch vor ihrem Wahlgang. Es gibt Sekt und die große Frage, `wer wird es denn nun?` Die meisten Gäste sind trotz allem noch immer neugierig und nur ein wenig müde.

Nach dem dritten Wahlgang freuen sich sowohl Wähler als auch Besucher und Journalisten. Endlich geschafft, auch wenn wir uns als SPD ein anderes Ergebnis gewünscht hätten.

Kurze Zeit später mache ich mich auf den Weg nach Hause, nicht mit der Limousine, wie die wichtigen Leute, sondern auf Richtung S-Bahnhof. Als ich geschafft und müde in der Bahn sitze hole ich noch einmal meinen gelben Ausweis aus der Tasche, schaue ihn mir nochmal ganz genau an, lese meinen Namen. Ich war wirklich dabei, als der wichtigste Mann im Staat gewählt wurde. Und ich muss ein wenig grinsen, denn darauf bin ich echt stolz.

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