Von Tunesien nach Berlin

Malek Abidi und Manfred Zöllmer - Sept 2015

Malek Abidi und Manfred Zöllmer – Sept 2015

Ich heiße Malek Abidi, bin 32 Jahre alt, in Tunesien geboren und habe dort Internationalen Handel an der Universität in Tunis studiert.

Tunesische Revolution von 2011
„Dégage!“ „Arbeit, Freiheit, Würde“ waren die Leitmotive der Tunesischen Revolution.
Wir, das Volk, sagten zu unserem Präsidenten Diktator Ben Ali „Dégage“, wir wollten endlich unsere Freiheit und Würde erlangen.

Niemand hat am 17. Dezember 2010 ahnen können, dass die Selbstverbrennung eines Gemüsehändlers eine autoritäre Herrschaft zum Einsturz bringen würde. Erst recht hatte niemand vermutet, dass die Massenproteste in unserem Land zum Startsignal für ein Erwachen und Aufbegehren einer ganzen Region werden würde.
Am 14 Januar 2011 hieß es:: „Der Diktator ist weg!“ Ein neues Kapitel in der Geschichte der Demokratie, zum ersten Mal in einem arabisch-muslimischen Land! Tunisia makes the difference!

Entwicklung der Demokratie in Tunesien
Vor der Revolution und während Ben Alis Zeit konnte niemand über Politik reden oder Ben Ali & Co kritisieren. Das Internet wurde kontrolliert, YouTube war gesperrt, die Presse war vom Regime abhängig, wir hatten keinen wahren Pluralismus, die Wahlen wurden gefälscht, die Elite die den Mut hatte die Regierung zu kritisieren wurde gezwungen ins Exil zu gehen.

„Ben Ali ist weg!“ ein Spruch den alle Tunesier kennen. Ab dem 14.01.2011 haben die Tunesier sofort ihre vollkommene Meinungsfreiheit wieder aufgenommen. Man darf kritisieren, Facebook, Twitter und Youtube haben uns geholfen unsere Stimme hören zu lassen.

Nach der Revolution hatten viele Tunesier wie ich das erste Mal in ihrem Leben das Recht zur Wahl zu gehen. Die Wahlen waren frei und ohne Gewalt, eine neue Verfassung die die Basis der Demokratie garantiert. Was für ein tolles Gefühl wenn man weiß, dass die eigene Stimme wichtig ist!

Die Journalisten, die damals nur Ben Ali hofieren mussten, können heute ihre Meinungsfreiheit im vollen Umfang nutzen, Kritik ist willkommen. Das Recht zu streiken haben auch die Tunesier wieder angenommen.

Frauen und Männer sind gleichberechtigt, was in vielen arabischen Staaten nicht der Fall ist.

Für Demokratie ist eine starke Zivilgesellschaft notwendig. Dank der gut gebildeten Tunesier spielt die Zivilgesellschaft und insbesondere die Gewerkschaften eine wichtige Rolle in diesem demokratischen Übergangsprozess, unterstützt durch Demonstrationen, Streiks und die Gründung von Verbänden.

Wirtschaftslage in Tunesien
Die Jahre nach der Revolution waren wirtschaftlich sehr schwierig. Eine der wichtigsten Haupteinnahmequellen ist der Tourismus. Solange jedoch die Sicherheit nicht gewährleistet ist, bleiben Unternehmen zurückhaltend mit ihren Investitionen. Bekämpfung des Terrorismus und Verhinderung von Anschlägen hat daher obesrte Priorität.

Das IPS Programm (01.09-30.09.2015)
Das Programm war für meine persönliche Entwicklung sehr interessant und wertvoll. Hinter die Kulissen einer Vorzeige-Demokratie wie Deutschland zu blicken war für mich eine Erfahrung die sicherlich meine weitere Karriere enorm beeinflussen wird: ein Vergleich zwischen den verschiedenen politischen Systeme (Monarchie, Föderalismus usw.), Besuch eine Synagoge, Kirche und Moschee, interkulturelles Training, Kennenlernen der deutschen Geschichte, Teilnahme an einer Bundespressekonferenz usw.

Zum Abschluss meines Stipendiums hatte ich die Ehre ein Praktikum im Büro des SPD Bundestagsabgeordneten Herrn Manfred Zöllmer zu absolvieren. In diese Zeit durfte ich bei der Entstehung eines Gesetzentwurfes und der Verabschiedung eines neuen Gesetzes dabei sein.

Herr Manfred Zöllmer hat mir viele Einblicke in seine Arbeit als Abgeordneter gewährt. Vor allem, seine Verantwortung gegenüber seinen Wählern, den Mitgliedern des Bundestages, der Regierung und der SPD Fraktion wurden mir klarer.

In Rahmen des IPS-Stipendiums hatte ich die Chance einen Interview mit den Bundestag über Tunesien machen zu dürfen: http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2015/kw39_ips_tunesien/388422

Berlin, The Place to Be
Eine Stadt voller Energie, multikulturell mit mehr als 180 Nationalitäten. Eine pulsierende Stadt die niemals schläft. Pünktlichkeit wird groß geschrieben, durchdachte und gut geplante Infrastruktur, Verkehrsmittel.

Herzlichen Dank!
Ich bedanke mich bei allen die ich im Rahmen des IPS-Stipendiums kennen gelernt habe und ein besonderer Dank geht an Herr Manfred Zöllmer und seinen Mitarbeitern der SPD-Fraktion.

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